Die NW berichtet über den Spieleabend des Unterstützerkreis: Uno mit Jussuf und Nisar

Altenbeken-Schwaney. Sie erzählen immer wieder davon. Wie sie in Syrien die Hoffnung auf ein Ende des Krieges verloren. Wie sie alles zu Geld machten, was sich irgendwie verkaufen ließ. Wie sie alles auf eine Karte setzten und sich für hunderte Euro windigen Bootsführern anvertrauten, Nisar Almahoud, Jussuf Sheikhkala und die anderen. Für einen Moment vergessen sie die Unokarten auf dem Tisch und erzählen von ihrer Flucht nach Deutschland.

3000 Euro hat Nisars Familie für die Flucht zweier Söhne aus einem kaputten Land bezahlt. "Alles ist kaputt", sagt Nisar. Der 26-Jährige hat nach drei Jahren an der Universität von Damaskus in einem Schnellimbiss gejobbt. "So wie McDonalds", sagt er. Seit einem halben Jahr wohnt er mit 40 anderen Flüchtlingen in einem Heim im Altenbekener Ortsteil Schwaney. Er paukt mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern Deutsch und kommt auch Mittwochabend ins Haus der offenen Tür. Spielen, plaudern, für ein paar Stunden den Alltag abschütteln.

"Manchmal sind sie froh, über ihre Flucht zu reden", sagt Henriette Jost. Die gebürtige Französin wohnt in der Nachbarschaft des Heims und hat schon vor anderthalb Jahren freies W-Lan für die Flüchtlinge eingerichtet. "Vor unserer Tür ist immer schwer was los", sagt Jost und lacht. Vor 33 Jahren ist sie nach Schwaney gekommen. Jetzt hilft sie jenen, für die der Ort nur eine Zwischenstation auf dem Weg der Hoffnung ist.

Nisar hofft auf Anerkennung als Flüchtling, aufs Interview, wie alle hier die Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nennen. Und danach auf Arbeit; seine Familie im Bürgerkriegsland Syrien hofft auf ihn.

Zur Tagesschauzeit geht es hoch her beim Spieletreff. Zwei Jungs spielen Mensch ärger dich nicht, Billardkugeln klackern, der Tischkicker rumpelt. 16 Geflüchtete sind da und zehn Einheimische. Viele kämen immer wieder, sagt Christina Böddeker. Die 30-jährige CDU-Ratsfrau hat gemeinsam mit ihrer Grünen-Kollegin Dietlinde Stach den Unterstützerkreis in Gang gebracht.

120 Menschen haben sich im Herbst nach einer Informationsveranstaltung in die Helferliste eintragen lasse, erzählt Böddeker. "Etwa 40 sind ehrenamtlich aktiv." Sie haben eine Kleiderkammer aufgebaut, transportieren Sachspenden, renovieren Flüchtlingswohnungen und begleiten bei Behördengängen. "Alles, was angeboten wird, wird auch gern angenommen", so Böddeker. Mittlerweile stießen die Helfer jedoch an ihre Grenzen. "Zeitlich und emotional."

Entlastung durch einen Hauptamtlichen ist noch nicht wirklich in Sicht. Immerhin, "im Haushalt der Gemeinde ist eine Stelle dafür vorgesehen", sagt Böddeker. Wann der Sozialarbeiter eingestellt wird? Die Ratsfrau, die den Spieleabend in Schwaney betreut, wird demnächst mit dem Bürgermeister sprechen.

Jetzt wird sie am Kickertisch gebraucht. Die Unospieler mischen Gdie Karten. Die schlimmen Geschichten und die Sorgen rücken wieder in den Hintergrund. Zumindest heute erzählen sie nicht mehr davon.