Der lange Weg von Syrien

Dr. Aboud mit Landrat Manfred Müller
Dr. Aboud mit Landrat Manfred Müller auf einer Informationsveranstaltung für ehrenamtliche Initiativen im Kreisgebiet Paderborn

Dies ist die Geschichte des syrischen Arztes Abdeljalil Alaboud – kurz Dr. Aboud – aus Aleppo (nach Damaskus die zweitgrößte Stadt Syriens), der erst im September in Altenbeken eingetroffen ist.

Dr. Aboud hat Humanmedizin studiert und absolvierte seinen Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin in Aleppo, als ihn die Einberufung in die Truppen des Assad-Regimes erreichte. Der sich im Fachgebiet für Reproduktionsmedizin spezialisierte Arzt entschloss sich aus Respekt vor dem Menschenleben in den Norden des Landes zu gehen, der nicht von Regierungstruppen kontrolliert wird, um dort seinen Beruf weiterhin ausüben zu können.

Die Terrorgruppierung der DAESH, vielen besser bekannt als IS – Islamischer Staat, sprach dort jedoch ein Berufsverbot aus: Kein männlicher Arzt darf nunmehr Frauen behandeln.

Schweren Herzens entschloss er sich, gemeinsam mit seiner bereits im siebten Monat schwangeren Frau, in die Türkei überzusiedeln. Dort ließen sie sich nahe der syrischen Grenze in der türkischen Metropole Gaziantep nieder, mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt der Türkei. Dort leben zurzeit etwa 250 000 syrische Flüchtlinge – das sind mehr Menschen als die gesamte Europäische Union bislang hineingelassen hat (Stand 15.07.2015).

Am 11. Juni 2015 wurde dort sein Sohn geboren. Da auch in der Türkei keine berufliche Perspektive absehbar war, machte er sich auf den gefährlichen Weg nach Deutschland, um hier wieder eine Zukunft für sich und seine Frau zu finden, die ebenfalls Fachärztin ist.

Das Leid und die Strapazen seiner dreimonatigen Odyssee, von der Türkei über die griechische Insel Samos, Athen, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich und schließlich Deutschland, sind uns hinlänglich aus den Medien bekannt und können nicht mit wenigen Worten zum Ausdruck gebracht werden.

Dr. Aboud ist zu uns gekommen mit der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben und den baldigen Nachzug seiner Familie, sowie ein ersehntes Wiedersehen mit seinem fast vier Monate alten Baby, das momentan in fast 3600 km Entfernung heranwächst. Sein Dank gilt allen Menschen, die in seiner neuen Heimat engagiert daran arbeiten, unseren Gästen ein würdevolles Leben zu ermöglichen.